Be-denkens-wert vom 21.09.2008

In diesem Paulusjahr von Juni 2008 bis Juni 2009 möchte ich durch meine Beiträge versuchen, die große Gestalt der Christenheit – Paulus - möglichst viel und oft selbst sprechen zu lassen, denn wir wissen durch seine zahlreichen Briefe, die er an junge Gemeinden gerichtet hat, sehr viel über sein Denken, seine Gottbezogenheit, seine scharfen Zeitanalysen und seine Zukunftshoffnungen. Diese Briefe sind wie ein Donner, ein universaler Donner, der durch die ganze Welt hallt - und das seit 2000 Jahren. Es gibt fast keinen katholischen Gottesdienst auf der Erde, in dem nicht irgendwie Paulus zur Sprache kommt, und das in allen Sprachen von jedermann verstanden. Woher hat dieser Mensch seine unglaublichen inneren Kräfte bezogen?

In seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth in Griechenland im Kapitel 15 verrät er etwas von einer Grundhaltung, die ihn stark gemacht hat Er schreibt: „Ich bin nicht wert Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gnade bin ich, was ich bin und sein gnädiges Handeln ist nicht ohne Wirkung geblieben.“

An dieser und vieler anderen Stellen wird deutlich, dass Paulus nie zuerst und ausschließlich auf eigene Kräfte baute, sondern sich als Werkzeug in der Hand Gottes sah. Er erwähnte nie seine akademische Ausbildung, seinen Beruf, sondern sonnte sich in seiner Beruf-ung. Beruf oder Beruf-ung - das ist eine vieles entscheidende Grundhaltung im Leben.

Wenn alle Kräfte, wie heute fast üblich, einseitig auf den Beruf gelenkt werden und das schon den Kindern und Jugendlichen eingehämmert wird, kann es nicht verwundern, wenn die Seelen von Menschen immer leerer werden, mit allen Folgen für die ganze Gesellschaft. Seine Beruf-ung durch Gott zu kennen, entlastet ungemein von dem Druck, alle Wertschöpfung des Menschseins aus den eigenen Kräften nehmen und dauernd als weiße Maus im Laufrad durch seine Lebensgeschichte laufen zu müssen. Der Beruf sichert uns den Lebensunterhalt, die Berufung sichert uns den Lebensinhalt.

Diese Erkenntnis den Menschen mitzuteilen, wurde Paulus nach seiner Bekehrung zu Christus nicht müde, und weil diese Erkenntnis zeitlos ist, wird sie auch nach 2000 Jahren immer noch gelesen und zwar in allen Sprachen und Kulturen, weil bei aller Verschiedenheit der Kulturen die Menschen den gleichen Kern und die gleiche Hoffnung in sich tragen, dass Leben mehr ist als essen, trinken und arbeiten.


Rainer Korten
Pfarrer in Antalya