Be-denkens-wert vom 17.03.2008

Ich möchte mit meinen Zeilen zum Osterfest einen kleinen Beitrag leisten zur Aufklärung, denn in vielen Dingen zwar bis ins Detail aufgeklärt, geben sich viele Menschen völlig unaufgeklärt, wenn es um Ostern geht; Sie kaufen zwar Ostereier und färben sie, gebrauchen das Wort vom Osterhasen. Sie haben wohl etwas läuten hören, wissen aber nicht mehr, wo die Glocke hängt.

Das Datum des Osterfestes hängt mit dem jüdischen Festtagskalender zusammen. Dort begannen die Monate jeweils mit dem Tag des Neumondes. Der erste Monat nach Frühlingsanfang hieß Nisan. Am 14. Nisan, dem Vollmondtag dieses Monats feierten die Juden ihr Osterfest- Passah oder Pascha zur Erinnerung an die Errettung aus Ägypten, der zentralen Erfahrung der Rettung durch Gott aus der Knechtschaft. Bis ins 2. Jahrhundert hinein war der 14. Nisan, ganz gleich auf welchen Wochentag er fiel, auch das Datum für das christliche Osterfest. Nur ging es dann nicht mehr um die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens, sondern um die Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes durch die Auferstehung Jesu. Ein Teil der Christenheit (in Kleinasien) behielt diesen Termin bei, während sich Rom und damit der größere Teil der Kirche für den auf den 14. Nisan folgenden Sonntag entschied. Das Konzil von Nizäa (heute in der Türkei) beschloss im Jahr 325 die endgültige Reglung: Ostern wird alljährlich am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Damit ist eine Schwankungsbreite von 5 Wochen gegeben.

 Der Gedanke von Befreiung aus Abhängigkeit liegt auch dem Ei als Symbol zugrunde. Im Mittelalter mussten die Abhängigen während der Wintermonate Eier sammeln, mit denen sie dann ihre Schulden beim Lehnsherrn zu begleichen hatten. Auf diese Weise kauften sie sich von Schulden frei. So wurde das Ei für die Christen ein Zeichen, dass sie durch das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi freigekauft wurden von der Knechtschaft des sicheren Todes. „Tod - wo ist nun dein Stachel?“, singt die Christenheit in einem ursprünglich deutschen Osterlied.

Der sog. Osterhase hat seinen Ursprung in der Beobachtung des Hasen als einem Tier, das ständig gejagt ist, Haken vor Angst schlägt. Daraus entstand der Angsthase. Ostern war für die Menschen das Fest, um nicht mehr als Angsthasen durch das Leben laufen müssen, sondern in großer Gelassenheit und Hoffnung dem Tod als Tor zum Leben entgegenzugehen.

 Unwürdig ist es eigentlich, Bräuche und Symbole zu verwenden, ohne zu wissen, welche unaussprechliche Botschaft für das Leben dahinter steht. Die Werbung verwendet zu ihrem eigenen Nutzen gern solche Symbole aus dem Religiösen, denn sie weiß genau, dass in diesen Symbolen originäre Hoffnungen und Sehnsüchte des Menschen verborgen sind. Ich finde es eher angenehm, hier in der Türkei nicht von Ostereiern und Osterhasen überschwemmt zu werden, die nicht mehr als Muster ohne Wert sind.

Ihnen allen wünsche ich froh machende Ostern.

Rainer Korten
Pfarrer in Antalya