Be-denkens-wert vom 07.02.2008

Aus dem Leben für das Leben sind Geschichten. Da war ein Mann, der kaufte sich ein neues Auto. Nachdem er 6 Monate gefahren war und über den Benzinverbrauch genau Buch geführt hatte, musste er feststellen, dass er nicht den phänomenal günstigen Verbrauch erreichen konnte, der anderen Wagen dieser Klasse so oft nachgesagt wird. Er brachte sein Auto in eine Werkstatt, wo eine gründliche Inspektion vorgenommen wurde, ohne dass dabei ein Fehler gefunden werden konnte. „Aber kann man denn nicht irgendetwas machen, um den Benzinverbrauch zu senken?“, fragte der Mann. „Ja schon“, sagte der Mechaniker „sie können das tun, was die meisten Autobesitzer tun.“ „Was denn?“ „Lügen Sie sich ihn vor!“

Dass wir heute mit teilweise sehr subtilen Methoden von allen Seiten belogen werden und uns selbst ein Menge in die Tasche lügen, ist ein Faktum. Wer die Wahrheit sagt, weder in der hohen Politik, noch in der Wirtschaft, weder in der Analyse gesellschaftlicher Defizite, noch in der Dramatik der Umweltbelastungen ist schnell weg vom Fenster. Unser Kopf ist inzwischen getrimmt, wahrzunehmen, was wir wahrnehmen möchten, aber nicht mehr, was wir wahrnehmen müssen, um Unheil abzuwenden. Und so lügen wir uns munter in die Tasche auch in unserem persönlichen Leben, als wenn wir mit Pillen und Geräten das ewige Leben auf Erden schaffen könnten, sind dann für kurze Zeit konsterniert, wenn jemand aus unserer Umgebung mit 60 Jahren stirbt und denken gar nicht daran, nach der Wahrheit zu suchen, sondern handeln entsprechend dem Rat des Autowerkstattmeisters: „Lügen Sie sich ihn vor!“

Diese Versuchung gab es für den Menschen zu allen Zeiten, freilich ist heute das Gift der Lüge wesentlich höher dosiert und das Gegengift hat an Wirkung verloren.

Die Christen, und andere Religionen auch, haben in Zeiten des Fastens das Gegengift gesehen. Ursprünglich war Fastenzeit der geistige Vorgang, sein Leben auf Wahrheiten zu gründen und nicht auf Lebenslügen, während wir heute mehr die vergoldete Lüge als die nackte Wahrheit lieben, und deshalb ist das Wort fasten verkommen zu einem äußeren Kampf gegen die überschüssigen Pfunde. Das ist nicht, was die Religionen mit Fastenzeiten meinen.

Im Flugzeug leuchtet auf: „fasten seat belts“ und meint, sich festmachen, anschnallen, um sicher zu landen. In der christlichen Lebensweise heißt fasten, sich an Gott anbinden, um nicht durch allerlei Selbstlügen mit seinem Leben eine Bruchlandung zu machen. Mit dem Aschermittwoch haben Christen die Fastenzeit begonnen. Lügen Sie sich ihn weiter vor oder versuchen wir uns fester an Gott anzubinden - das ist die Alternative. Fastenzeit ist die Zeit, das in seinem Kopf zu klären und durch praktische Erfahrungen zu erhärten, damit Leben auf Realitäten aufgebaut ist. Denn dann werden Menschen ermessen können, was sie eigentlich Ostern zu feiern haben.

Und so ganz nebenbei ist erwiesen: Wenn die geistig -seelischen Pfunde zunehmen, verringern sich schnell und anhaltend die körperlichen Pfunde. 

Rainer Korten
Pfarrer in Antalya