Be-denkens-wert vom 20.07.2009

Wenn jemand einen Laden eröffnen oder ein Büro einrichten will, ist ihm ziemlich schnell klar, was er als Grundausstattung braucht, um seinen Betrieb funktionsfähig zu machen. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang, dass wir einerseits immer genauer wissen oder uns durch Fachleute beraten lassen, was zur äußeren Grundausstattung gehört und andererseits der Eindruck wohl nicht falsch ist, dass immer weniger Menschen wissen, was zur Grundausstattung des Lebens gehört. Denn es werden immer mehr, die unfähig sind, ihr Leben und als Folge davon auch das Leben der anderen als unverletzlich, als gehaltvoll, als wertvoll zu erleben. Die Anreize, um vor sich selbst und vor anderen bestehen zu können, müssen immer höher dosiert werden, die Zeitabstände werden kürzer, dass man sich einen neuen Schuß zur Lebensbewältigung geben muß, die Wartezimmer der Ärzte und Seelendoktoren sind voll, die Kosten nicht mehr bezahlbar. Diese seelischen Hohlräume sind Folge, wenn der Mensch nicht mehr weiß und vielleicht auch nicht mehr gesagt bekommt, was zur wirklichen  Grundausstattung seiner Existenz gehört jenseits aller äußeren Mittel. Viele gesellschaftlichen Tendenzen zeigen an, was passiert, wenn Menschen nur noch den äußeren Mitteln hinterherlaufen und um die Mitte ihres Lebens nicht mehr wissen.

Das kann dem gläubigen Christen nicht passieren. Denn er weiß im Glauben: die Grundausstattung seines Leben braucht er sich nicht selbst zu  besorgen, sondern die ist ihm von seinem Schöpfer als kostenlose Gabe bereits mit gegeben. An diese Grundausstattung des Lebens erinnert der Apostel Paulus in seinen Briefen die jungen Gemeinden immer wieder. Er wusste aufgrund seines eigenen Lebensweges, wovon er redet. Zunächst nur auf eigene Kräfte bauend, sich selbst zum Maß machend, Andersdenkende verfolgend, erkannte er  nach seiner Bekehrung die Einzigartigkeit jener ohne Zutun empfangenen göttlichen Grundausstattung, dass wir Menschen  nicht Zufallsprodukt, sondern von allem Anfang erwählt sind, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind, dass uns Gott in Jesus Christus den ganzen Reichtum seiner Gnade geschenkt hat, dass das Leben kein Rätsel mit 7 Siegeln bleiben muß, sondern wir mit der Fähigkeit ausgerüstet sind, zu erkennen, wohin unser Leben führt, dass wir- wie er sagt - Erben sein werden. Das Wort Erben in Zusammenhang mit der Grundausstattung unseres Lebens finde ich besonders trostvoll.

Das Gefühl des Eigenwertes, das gesunde Selbstvertrauen, das Wissen um eine hoffnungsvolle Zukunft als Früchte der uns von Gott gegebenen Grundausstattung zum Leben, ist nicht nur für uns selbst ein Gewinn, sondern auch für andere. In ihnen erkennen wir schnell ebenfalls derart Beschenkte, denen wir nur in Respekt, begegnen können, deren  Leben von allem Anfang an und bis zum Ende unantastbar und unverletzbar ist und mit denen wir auf gleicher Augenhöhe in Solidarität zusammenleben können.

Viele bräuchten heute nicht so krampfhaft mit immer neuen Ablenkungen um die Grundausstattung im Leben zu kämpfen, wenn sie darum wüssten, mit welchen festen Zusagen sie durch Gott bereits grundausgestattet sind. Darauf lässt sich Leben aufbauen, dann kann uns Leben nie ver-leidet werden, zum Leid werden, sondern bleibt  heilsame Freude und Dankbarkeit.

Rainer Korten
Kath. Pfarrer in Antalya