Be-denkens-wert vom 27.11.2009


Es mögen 2 Wochen her sein, dass ich im deutschen Fernsehen eine Talk-Runde verfolgte, die sich mit der Integration von Ausländern in die deutsche Gesellschaft beschäftigte. Wie viele Sendungen dieser Art hätte ich sie unter der Rubrik: „viel Geschwätz für nichts" längst abgelegt, wenn mir nicht die Äußerung eines jungen Schwarzafrikaners hängen geblieben wäre und mich diese bis heute beschäftigt. Auf die Frage der Moderatorin, was ihm denn, in einem Satz zusammengefasst, als Charakteristikum von Deutschland hängen geblieben sei, antwortete er: "ich habe hier überall volle Regale gesehen und viele  leere Gesichter."

Unruhig fragte ich mich; siehst du denn auch so leer aus? Eine vornehme innere Blässe ist ja heute durchaus modern, aber eine innere Leere, -Leergut, wie das ein  anderer Diskutant nannte?

Ich hatte mein Thema für die kommende Advents- und Weihnachtszeit gefunden. Ist nicht Jesus Christus als Mensch geboren, um uns Menschen als Ebenbilder Gottes den Weg voranzugehen, welche Kräfte in uns wohnen, welche Chancen uns in die Wiege gelegt sind, damit wir nicht auf uns selbst und auf andere den Eindruck eines leeren Gesicht machen müssen. Vor 40 Jahren schon hat der Dichter Heinrich Böll gesagt: erlöster müssten die Christen aussehen.

Es würde sich doch durchaus lohnen, 4 Wochen in der Adventszeit daran zu arbeiten, damit zu Weihnachten nicht die Tische voll sind und die Seelen leer bleiben, und wir uns einmal mehr betrogen vorkommen.

Die biblischen Texte während der Gottesdienste in der Adventszeit sind voll von sprechenden Bildern, die den Weg weisen können, dass sich unsere Seelen anfüllen und nicht nur die Lippen aus Gewohnheit  zu Weihnachten singen: Christ der Retter ist da. Denn wir wissen innerlich sehr wohl, trotz aller vorgeflunkerten Versprechungen und aller hochgeschätzten  Selbsttäuschungen, dass wir uns nicht retten können, sondern Gerettete sind. Krippe und Kreuz standen dicht beieinander. Diese Glaubensgewissheit ist der einzige Weg, dass unsere Gesichter nicht immer leerer werden, sondern Strahlkraft bekommen durch die Gewissheit und Hoffnung, dass Gott in Jesus Christus zu den Menschen kam, damit wir Mensch einst zu ihm kommen können. Wo dieser Glaube an die End-gültigkeit, also, was am Ende gültig, rettend bleibt, abhanden gekommen ist, macht sich  die Gleich-gültigkeit breit, die die Gesichter leer aussehen lässt.

Ich erinnere mich ,dass vornehmlich junge Menschen auf die Frage spontan antworten, was sie bei der Suche nach einem Partner hoch schätzen: innere Ausstrahlungskraft. Aber wie kommt man  dazu - das sagt man jungen Menschen nicht mehr.


Rainer Korten
Pfarrer in Antalya