Be-denkens-wert vom 06.12.2009

 
Ausnahmsweise erscheint aus Anlass des 5-jährigen Jubiläums der St. Nikolaus-Gemeinde die von Prälat Rainer Korten gehaltene Predigt während des Jubiläumsgottesdienstes.

Sehr verehrte Gäste, liebe Mitchristen
 
Die Adventszeit lebt von der uralten Erfahrung des Menschen von dunkel und hell. Alles, was lebt einschließlich wir Menschen, drängen zum Licht. Nicht wenige von uns leben hier wegen der vielen Sonnenstunden im Jahr, mit dem Licht verbinden wir Wärme. Umgekehrt, alles Dunkle ängstigt uns, macht unsicher, strahlt Kälte aus.Und da wird uns seit Tausenden von Jahren  in der Adventszeit durch den Propheten Jesaja angekündigt: das Volk, das im Dunklen sitzt, sieht ein großes Licht. Bei aller Aufklärung (manche sind schon so aufgeklärt, dass ihnen nichts mehr von den wesentlichen Dingen klar ist) und aller Intelligenz: die Menschheit sitzt weiter im Dunklen - manche halten dann künstliche Scheinwerfer oder selbst geschaffene Spiegel schon für die Er-hellung und wundern sich, dass ihre Lichtquellen längst nicht alles ausleuchten, schon gar nicht das ganze Leben in seinen Höhen und Tiefen. Wenn Menschen deprimiert sind, sagen sie: der Letzte, der geht, macht das Licht aus. Sie, liebe Gäste und Mitchristen sind hierher gekommen, und wir haben ein 2. Licht angezündet - nichts ausgemacht - angezündet. Es gibt auf der ganzen Welt keine Kirche, wo nicht Kerzen angezündet werden. Das ist eine stille Sprache, die wir aber verstehen. Denn in 14 Tagen feiert die Christenheit einmal mehr das Faktum: das Volk, das im Dunklen sitzt, sieht ein großes Licht, das in Jesus Christus Mensch wurde. Deshalb haben unsere Vorfahren den Hl. Abend auf den 24./25.Dez.gelegt - da wenden sich die kurzen, dunklen Tage und es geht wieder bergauf. Ich habe hier übrigens auch schon islamische Feste miterlebt, wo genau diese Symbolik ebenfalls Ausdruck findet. Offensichtlich zeitlos und verstehbar für alle Kulturen - der Weg durch die Dunkelheit in die Helle durch das Handeln Gottes.

Wie haben wir in unserem bescheidenen Kirchlein in den letzten 5 Jahren diese Erfahrungen von Licht und Dunkel immer wieder machen können? Zunächst jeden Sonntag ( es ist noch kein Sonntag ausgefallen): da haben wir in  Wort und Sakrament die Nähe Gottes spüren dürfen, wir sind keine Wanderer ohne Ziel, wir sind keine Geisterfahrer auf der Lebensautobahn, wir pflegen nicht unsere Depressionen, sondern kultivieren unsere Hoffnungen, wir grämen uns nicht zu Tode, weil die Jahre vergehen, sondern haben gelernt, die Zeit nicht zu messen, sondern zu wiegen. Wir sehen als gläubige Menschen das Leben in einem anderen, warmen  Licht als nur in der Kälte des Materiellen und Diesseitigen.

In Sondersituationen des Lebens  wird die Erfahrung von Hell und Dunkel deutlich: wir haben in diesem Haus erlebt, dass 2 Menschen ohne wenn und aber Ja in der Ehe  zu einander sagten, ohne Berechnung, ohne Vorteile - nur aus Liebe und haben dadurch eine Ahnung bekommen, dass die Schönheit der menschlichen Liebe nur ein schwacher Abglanz der unbegrenzten göttlichen Liebe zu uns Menschen ist - das macht einfach froh, wir haben hier um Menschen getrauert, die der Tod uns entrissen hat, und haben dennoch nicht über den Tod, sondern mehr über das Leben - das Leben in Gott, geredet, wir haben hier fassungslos Kenntnis genommen, dass 3 aus der Gemeinde durch Gewalt zu Tode gekommen sind, wir sind nicht in der Dunkelheit von Rache sitzengeblieben, und wir bangen oftmals mit und ohne  Angehörige um das Leben von Schwerkranken und sind durch das Licht des Glaubens eben nicht auf Verdrängung und Stummheit als Placebos angewiesen.

Dazu passt jene Begebenheit, die aus dem Zoo von Detroit berichtet wird. Der Tiger Boris litt in immer stärkerem Maß unter seelischen Depressionen. Die Tierärzte wussten keinen Rat mehr und zogen einen Psychiater als Hilfe hinzu. Zwölf Sitzungen waren notwendig, um herauszufinden, unter welchem seelischen Komplex das Tier litt. Der Tiger hatte Angst vor seinem eigenen Schatten. Also drehte man die Scheinwerfer, so dass Tiger Boris keinen Schatten mehr warf. Und das Ergebnis war: Boris fand seinen Appetit wieder und die Depressionen verschwanden. Dringende Frage ist heute: von welchem Licht lassen wir uns heute er-leuchten. Sind es ausschließlich die synthetischen Lichter dieser Welt - in der Adventszeit maßlos überall aufgegangen, als wenn man die seelische Dunkelheit vertreiben könnte, oder ist es das Licht - der Stern, der über Bethlehem aufgegangen ist. Das Volk, das im Dunklen sitzt sieht ein großes Licht. Welchem Licht folgen wir?

In dieser Gemeinde sind alle herzlich willkommen, unabhängig von Nationalität, von Konfession, die auf der Suche nach dem echten Licht sind, dass Kopf, Herz und Seele erleuchtet, eben das die Voraussetzung zur Entfaltung des ganzen menschlichen Lebens - auch mit seinen Dunkelheiten und Schatten ist, die wir glücklicherweise nicht verdrängen müssen.

Abschließend darf ich die  Gelegenheit nutzen, an solch einem Tag auch Dank zu sagen an alle, die diese Gemeinde mittragen, das sind die Kath. deutsche Bischofskonferenz und die Evgl. Kirche Deutschlands, das war Herr  Konsul Gerwinat am Beginn und ist heute die wohlwollende  Zusammenarbeit mit dem Deutschen Konsulat und seinem Leiter Herrn Konsul Urbschat, das sind unser rechtlichen Begleiter Herr RA Kalayci und Herr Salih und das sind Sie alle, die Sie kommen, und der eine weniger, der oder die andere mehr ihren Dienst zum Wohl aller anbieten. Diesem Dank schließt sich Herr Pfr. Weingärtner aus Alanya an. Unser Verhältnis hat andeutungsweise göttliche Eigenschaften.. In der Bibel wird Jesus zitiert: wer mich sieht, sieht den Vater und wer den  Vater sieht, sieht mich. So ähnlich, aber bitte nur so ähnlich ,ist es!

Ich lade Sie ein, zum Lob Gottes und zum Wohl der Menschen den Weg in Glaube, Hoffnung  Liebe und dazu noch in Freude weiterzugehen in Antalya  oder Alanya, in einer moslemischem Umgebung mit Menschen, die auf einem anderen Weg das Leben in Gott suchen. In diesen Dezemberwochen finden im nahen Konya zahlreiche Feierlichkeiten zu Ehren Mevlanas statt. Er verkündete Gott als unbeschreibliche Schönheit, unendliche Güte, nie endendes Geben. Mehr haben wir auch nicht zu sagen, außer, dass diese unbeschreibliche Schönheit, diese unendliche Güte, dieses nie endende Geben in Jesus Christus zu Weihnachten Mensch wurde. Amen