Be-denkens-wert vom 02.04.2010

Ostern
 
Es ist nicht nur sehr weitsichtig angelegt, dass wir über zwei Ohren verfügen, zwei Augen und zwei Hände haben , sondern dass wir im allgemeinen im Leben auch immer zwei Möglichkeiten haben.

Nicht anders verhält es sich mit Ostern. Wir können Ostern als kalendarisches Datum begehen mit einigen freien Tagen, wenn wir Glück haben auch etwas Sonnenschein und notwendiger äußerer Erholung, am Osterdienstag spätestens ist wieder alles vorbei und der Alltag beginnt von neuem. Wir haben aber auch die Alternative, Ostern als ein Fest zu feiern, dessen Inhalt uns neue innere Kraft für den Fortgang unseres Lebensweges gibt. Gemeint ist, was eine banale Geschichte so ausdrückt:
Ein Schriftsteller kam ins Kloster, um ein Buch über den Meister zu schreiben. „Die Leute sagen, Ihr seid ein Genie. Stimmt das ?“, fragte er. „Das könne man wohl sagen“, sagte der Meister nicht gerade bescheiden. „Und was macht einen zum Genie?“ „Die Fähigkeit zu erkennen“. „Was erkennen?“ „ Den Schmetterling in einer Raupe, den Adler in einem Ei, den Heiligen in einem selbstsüchtigen Menschenwesen.“  

Menschen, die Ostern in seinem Kern erkennen, haben schlicht die Fähigkeit an  jedem Tag, den sie zwangsläufig älter werden, das neue Leben zu erkennen, die den Tod nicht fürchten, weil sie aus der Hoffnung auf das Leben leben und die den Garant für diesen Weg zwar nicht sehen, aber im Glauben erkennen, den auferstandenen Herrn Jesus Christus.

Wenn Ostern zu einem einfachen Datum im Kalender verkommt, kann nicht die Erkenntnis aufblühen, im Vergänglichen schon das Unvergängliche zu sehen und das Leben wird sich nach Ostern wie vor Ostern so dahinschleppen, kraftlos, ziellos und innerlich freudlos, höchstens verziert mit einigen äußeren Späßchen und dem Jammern auf hohem Niveau. Das Jammern ist nicht primär Frucht eines  äußeren  Mangels, sondern von inneren Hohlräumen. Wir brauchen wiederkehrende Feste, um immer neue Anstöße für unser Seele zu bekommen, dass wir nicht  den Tieren gleich die Erde nur  nach Verwertbarem absuchen müssen, sondern unsere Häupter froh erheben können ob der Erkenntnis, dass unser Tod nicht Ende, sondern Wende zum Leben in Gott ist.  

Uns allen wünsche ich an diesem Ostern eine Stärkung dieser Erkenntnis; so kann jeder ein Genie werden.


Prälat Rainer Korten                                                   
Pfarrer in Antalya