Be-denkens-wert vom 09.08.2010

Für orthodoxe und kath. Christen ist der 15. August ein bemerkenswerter Feiertag im Kirchenjahr. Die Ostkirche spricht von der „Entschlafung Mariens“, die Westkirche von der „Aufnahme Mariens in den Himmel.“ Aber auch im Islam ist der Name Mariens sehr geschätzt.

Nun ist in diesem Jahr in der Türkei ein kleines Wunder geschehen. Erstmals erlaubt die türkische Regierung, dass am 15. August der Ökumenische Patriarch Bartholomäus in dem einen berühmten Marienwallfahrtsort der Türkei, dem Sumela-Kloster in der Nähe von Trabzon am Schwarzen Meer einen Gottesdienst halten kann, und wie ich der Presse entnahm, erwartet man viele orthodoxe Christen aus Russland, Armenien, Griechenland und auch viele Türken.
 
aufgang sumela
 
 
Vor einigen Wochen konnte ich das Sumela-Kloster mit eigenen Augen sehen und war überwältigt. Wie ein Vogelnest klebt es seit gut 1000 Jahren  an einer hohen Felswand. Der wichtigste Teil der Klosteranlage sind die Felsenkirche, einige Kapellen, Studienräume und der hl. Brunnen, der das Kloster mit Wasser versorgt. Die Innen- und Außenwände der Felsenkirche sind wunderschön mit Fresken zu Themen aus der Hl. Schrift geschmückt. 1926 mussten die letzten Mönche das Kloster verlassen, jetzt findet dort wieder der erste Gottesdienst statt, aber, wie die türkischen Behörden verlauten ließen, als einmalige Ausnahme.

Der zweite Marienwallfahrtsort in der Westtürkei ist nahe Ephesus, wo Maria gestorben sein soll. Dorthin kommen jedes Jahr  viele Tausend Christen aus dem Westen und feiern zusammen mit zahlreichen  Türken ein fröhliches „Volksfest.“ Unsere deutsche Gemeinde aus Antalya durfte im Jahr 2006 dabei sein, als Papst Benedikt das Marienheiligtum  besuchte.
 
marienhaus in ephesus in der kapelle
 
madonna
 

Die Verehrung Mariens am 15. August ist seit dem 6. Jahrhundert bezeugt. Die kath. Weltkirche betet an diesem Tag in allen Sprachen:….Gib, dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes (Maria) schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt in deine (Gottes) Herrlichkeit.“ Wer wallfahrtet geht auf einem Weg, und da wir im Alltag oft aufgeregt herumspringen ohne Ziel, war es immer Bedürfnis von Menschen, nach dem Weg zu suchen, der ein lohnenswertes Ziel hat. Wir sind heute sehr mobil, aber die äußere Beweglichkeit führt nicht automatisch zu einer inneren Beweglichkeit, die uns unruhig sein lässt, das Lebens-ziel im Auge zu behalten.

Moderne Armut heute ist, vom Leben nichts mehr zu erwarten. Ein noch so  exzessives Herumhopsen auf Love-Paraden füllt nicht den Hohlraum auf der Suche nach dem Ziel. „….auf dem Weg bleiben, der hinführt in deine Herrlichkeit“, diese Sehnsucht tragen innerlich bewegliche Menschen in sich.


Rainer Korten                                                   
Kath. Pfarrer in Antalya