Be-denkens-wert vom 26.03.2011

ferienflieger

 

Anflug auf Antalya! Ist die Anzahl der Maschinen jetzt noch überschaubar, die über das Meer, dann knapp über die ersten Häuser dem Flughafen zustreben, sind es während der Hochsaison im Sommer hunderte von landenden Maschinen täglich. Und in jedem Flugzeug sitzen ca. 180 Menschen, auf engstem Raum, aber alle gleich in ihren Hoffnungen und Sehnsüchten nach einem stressfreien Urlaub und nach Erholung. Was allerdings Erholung ist, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Die einen suchen Abwechslung und Vergnügen, während sich die anderen nach dem Frei-sein von vielen alltäglichen Verpflichtungen und Ruhe sehnen. Sehe ich dann die ebenso zahlreich startenden Flugzeuge über dem Meer  in der Ferne wieder verschwinden, frage ich mich oft: haben die Menschen ihre Wünsche und Erwartungen stillen, haben sie Erholung finden können? Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell Erholung sich verflüchtigt, sobald der Alltag wieder beginnt. Zwischen Wunsch und Realität liegt ein Hohlraum.

Ob das an unserem verstümmelten Begriff von Erholung liegt; meistens meinen wir damit die Erholung des Körpers und merken gar nicht, das ein ausgelaugter  Körper oftmals die Folge einer matt gewordenen und leeren Seele ist. Das Wort Er-holung meint, dass ich mir etwas holen kann ohne eigene Anstrengungen, dass etwas für mich bereit liegt , das meine müde Seele neu erfrischt. Erholung ist nicht eine seelische Momentdusche, sondern vielmehr eine Quelle, aus der immer frisches Wasser sprudelt.

Die Christen haben sehr früh erkannt, dass  z.B. der Sonntag für sie solch eine Quelle ist, aber auch die über das Jahr verteilten großen Feiertage. An ihnen kann sich die Seele erholen, von den negativen Erfahrungen im Alltag, die da sein können: ausgenutzt werden, sich unverstanden fühlen, ungeliebt sein,  Sinnlosigkeit erfahren,  sich ausgeschlossen fühlen, und, und, und. Da brauchen wir eine Quelle, aus der ganz andere Erfahrungen fließen: einmalig zu sein, unbegrenzt geliebt zu sein, Wesentliches und Haltbares für das Leben entdecken zu können, und obwohl mit jedem Tag Leben die Zeitspanne verflacht, die Hoffnung auf das Leben sich vertieft. All das glauben, Christen sich von ihrem Gott holen zu können, Grundstock für alle echte, langanhaltende Er-holung, sowohl der Seele wie des Körpers.

Noch ist Fastenzeit, das heißt die  Zeit des Sortierens, was für das Leben wichtig und unwichtig ist, was innere Freude oder nur äußerer Spaß ist, was wirkliche Erholung oder nur Abwechslung ist, was Sein oder Schein ist, wofür Einsatz lohnt oder was  nur Propaganda oder Show ist. Denn dieses Sortieren ist Voraussetzung, Ostern wirklich als Fest der Erholung zu feiern, nicht wegen wenigen arbeitsfreien Tagen, sondern weil wir uns die Gewissheit „ab-holen“ dürfen, nicht auf den Tod zugehen, sondern auf das Leben.

Rainer Korten
Kath. Pfarrer in Antalya