Be-denkens-wert vom 17.04.2011

Die Inder kennen eine be-denkens-werte Erfahrung. Frage: wie fängt man Affen? Antwort: Man nehme ein paar Süßigkeiten, ein Tongefäß mit engem Hals, um damit eine raffinierte Falle zu bauen. Die Süßigkeiten füllt man in das Gefäß, der Duft lockt den Affen an. Der greift gierig in das Gefäß, klammert in der Hand möglichst viele der Leckereien und bringt dann weder die Hand noch die Süßigkeiten aus dem Gefäß heraus. Er ist gebunden und gefangen, ein leichtes Opfer des Jägers.

Zumindest  in diesem Punkt sind wir Menschen mit den Affen in höchsten Maße verwandt und stellen fest: gerade in der Gier nach Leben finden wir den Tod. Es fällt uns unglaublich schwer, loszulassen, um frei zu bleiben. Statt mit Be-kehrung reagieren wir mit Panik und Hysterie, mit Todesängsten, wie die öffentliche Diskussion nach der Japankatastrophe anzeigt. Die Überwindung der Todesangst setzt große Stärke und ein tiefes Vertrauen in das Leben voraus. Just damit geraten wir in ein Dilemma. Wir wollen immer mehr haben, um das Leben zu gewinnen und stellen fest, uns aus dieser Falle nicht mehr befreien zu können, und das wiederum verstärkt den lähmenden Lebenspessimismus mit der Reaktion Lebensangst und Panik. Da sind wir den Affen sehr ähnlich, gierig nach allen  „Süßigkeiten“ dieser Welt zu greifen, um dann nicht mehr aus der Falle herauszukommen.

Bei endlosen Diskussionen nach  der Japankatastrophe haben nur ganz wenige gewagt, zu sagen  dass neue Wege nötig sind, anstatt die alten Wege weiterzugehen mit der Modifikation, Atomkraftwerke abzubauen und dafür die Landschaften mit  massenweise Windkrafträdern zu zerstören. Von z.B. Halbierung des Energieverbrauchs hat niemand versprochen, weil offensichtlich niemand mehr das Vertrauen ins Leben hat, mit weniger glücklich zu sein.

Den Teufel mit Beelzebub austreiben zu wollen wird uns die Lebensangst nicht nehmen.
Christen sehen ein ganz anderes Lebensmodell, das sie in den kommenden Tagen der Karwoche und am Osterfest feiern. In Jesus Christus hat Gott der Menschheit einen anderen Weg gezeigt, um nicht den Affen gleich, in der Falle zu landen. Jesus selbst  erzählte von dieser einfachen und unglaublich zeitlosen „Binsenwahrheit“: wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht, wenn es stirbt, bringt es reiche Frucht.(Joh.12.24)
 
weizenkrner weizen
 
Wir haben uns als Gemeinde in diesem Jahr diesen sinn-vollen (voll von Sinn) Vorgang genau angeschaut und versucht, alte Lebenszusammenhänge neu zu entdecken. Nur diese werden helfen, die Lebensängste zu überwinden, die in der Gier geboren werden, loslassen zu können, um frei zu bleiben und in der Kraft dieser Art von Freiheit dem Leben trauen zu können. Diesen alternativen Weg hat Gott den Menschen im Leiden, Sterben und in der Auferstehung Jesu praktikabel aufgezeigt. Wenn dieser Weg Gottes zum Leben (Ostern) den Menschen nicht mehr schmeckt, dürfen sie sich nicht wundern, wenn nur noch Geschmacklosigkeiten im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn übrig bleiben, oder anders gesagt: wenn Ostern reduziert auf den Osterhasen bleibt, ist der Angsthase ganz nahe.

Wir wünschen allen Lesern und Leserinnen von Antalya und Alanya aus eine wirklich „heilige Woche“, d.h. eine Woche, die uns heil macht in unser Suche nach erfülltem Leben, weg von der Falle durch  Gier hin zu dem Vorbild: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde ……,was jeder selbst für sein Leben mit Deutung ausfüllen kann.

Rainer Korten
Kath. Pfarrer in Antalya