Be-denkens-wert vom 21.05.2011

2011-05-17 schafherde Unsere diesjährige Gemeindereise führte mit 36 Personen  in die Südosttürkei, nahe den Grenzen zum Irak und Syrien, dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris. Endlose Weiten, kaum Autoverkehr, meistens Kinder, die auf Schafherden aufpassten, eine wohltuende Stille, das Gefühl, in ein Stück intakter Natur eingetaucht zu sein. Kurze Zeit später der Hammer: Einfahrt in die Millionenstädte Gaziantep oder Adana, Riesenverkehr, laut, schlechte Luft. Das sind seelische Wechselbäder.

Auf der Fahrt durch Mesopotamien konnten wir immer wieder Schaf- und Ziegenherden beobachten, Esel, die einen Karren zogen, die Welt schien um Jahrhunderte zurückversetzt. Aber gerade diese Bilder gingen mir nahe, als ich wenige Tage danach am 4. Ostersonntag der versammelten Gemeinde das Evangelium vom Guten Hirten verkündete. Dort hieß es vom Hirten: ….wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme: ( Joh.10, 4)

Sie kennen seine Stimme! Die Stimme verrät in der Tat viel vom Menschen. Unsere wunderschöne deutsche Sprache gibt Hinweise, was mit der Stimme gemeint sein kann, denn die Stimme ist nicht nur ein akustisches Wahrnehmen, sondern als Wortstamm mit Vorsilben versehen, öffnet sie ganze Schatzkisten. Wir sprechen von Be-stimmung, von Über-einstimmung, von Ver-stimmung, u.s.w. Die Vorsilben drücken etwas höchst Persönliches aus.

Deshalb passt dieses Bild so wunderbar in die Osterzeit: wer Seine- Jesu Stimme hört, erkennt seine einmalige Be-stimmung, aus dieser Bestimmung findet er zur Über-einstimmung mit den Geboten Gottes, uns zum eigenen Schutz gegeben, damit es nicht zu einer Dauer-verstimmung im Leben kommt. Diese Dauer-verstimmungen im Leben, modern könnte man auch von psychosomatischen Krankheiten sprechen, bringen inzwischen die Krankenkassen in Finanzierungsnöte.

Wer keine Stimme mehr hört, der es lohnt im Leben zu folgen, wird seine einmalige Bestimmung nicht erkennen können, die durch Ostern als Stimme zum Leben hörbar geworden ist. Kurze Zeit kann man sich mit Placebos hinwegtrösten, eine seelische Dauer-verstimmung ist die unausweichliche Folge.


Rainer Korten
Pfarrer in Antalya