Be-denkens-wert vom 10.08.2011

Viele werden sich gar nicht vorstellen können, dass es in der islamischen Türkei einen Marienwallfahrtsort gibt, der in den kommenden Tagen, und besonders am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel am 15. August, Tausende von Menschen anlockt, wobei die weitaus größere Zahl moslemische Türken sind. Denn auch im Islam wird Maria hoch geschätzt.

Nicht weit von Ephesus in der Westtürkei liegt das Marienheiligtum Meryemana, sehr stimmungsvoll und friedlich  eingebettet in einen Wald. Das Heiligtum selbst ist eher bescheiden, ein einfaches Steinhaus. Nach der Überlieferung brachte Johannes nach dem Tod Jesu die Mutter Maria nach Ephesus, um damit auch die Bitte Jesu zu erfüllen, für die Mutter zu sorgen. (Joh.19,27)
 
Das Fundament des  Heiligtums geht auf das 1. Jahrhundert zurück, Teile des Gebäudes stammen   aus dem 6. Jahrhundert. Erst 1818 wurde die ganze  Bedeutung dieses Ortes offen gelegt durch die Deutsche Anna Katharina Emmerich, die in einem Traum den Ort identifizierte und so Anstoß zu umfangreichen Nachforschungen gab. Es war nur selbstverständlich, dass die letzten Päpste und auch der heutige Papst bei ihren Türkeibesuchen den Marienwallfahrtsort besuchten.
 
ephesus-3 marienhaus in ephesus
Besuch von Papst Benedikt XVl. am 29.Nov.2006

Deutsche schütteln immer gern den Kopf, wenn etwas nicht hieb und stichfest bewiesen ist. In ihren Seelen ist nicht mehr viel Platz für das Unausdrückbare, das Geheimnisvolle, das Legendenhafte, das Wunderbare, dafür sind Türken viel sensibler. Deshalb erzähle ich gern in ihrem Beisein eine andere Legende, die ohne große theologischen Verrenkungen auskommt, aber treffsicher den Kern des Marienlebens erfasst.  In dem Musical AVE EVA oder der Fall Maria liest sich die Legende so:

Als Maria gestorben, da haben die Apostel ein Grab erworben
und sie hineingelegt, bekleidet mit einem Hochzeitskleid.
Kleid gewoben aus Leid für das Fest aller Feste weit.
Und sie haben den Abschied betrauert nach altem Zeremoniell.
Dunkel war´s an jenem Tag, nicht hell, nach altem Zeremoniell.
Und als sie nach 3 Tagen zum Grabe kamen, um sie zu salben mit Kostbarkeiten,
da war das Grab ein Blumenbeet, das duftete nach Blumen, die es auf der Erde nicht gibt,
Blumen aus einem Garten, den es auf der Erde nicht gibt.
Sie hat sich verduftet, die schönste Blume auf dem Feld der Welt – Maria.

Kein Leichengeruch, kein frommer Spruch, sie hat sich verduftet, Maria.

Rainer Korten
Kath. Pfarrer in Antalya