Be-denkens-wert vom 10.10.2011

Vor einigen Tagen starb in Kalifornien ein Mann namens Steve Jobs. Auf allen Fernsehkanälen gab es Nachrufe; er wurde ein großer Visionär genannt, und da er  zu den Erfindern des sog. iPods gehörte, verstiegen sich Amerikaner dazu, ihn i-God zu nennen. Welche Hybris! Und jetzt ist der menschliche „i Gott“ mit 56 Jahren an Krebs gestorben, wo wie jeder von uns  früher oder später sterben wird.

Die Bibel sagt- und weiß das aus langer Erfahrung mit dem Menschen: wer nicht an den Tod denkt, kann auch nicht weise werden. Obwohl der Mensch heute immer wieder seine Ohnmacht- ohne Macht- bescheinigt bekommt, hier ein Tsunami, der alles mitnimmt, was Menschen sich aufgebaut haben, dort ein explodierendes Atomkraftwerk, das ganze Teile eines Landes für lange Zeit unbewohnbar macht, hier ein Bombenattentat, dort ein Flugzeugabsturz, obwohl wir im Unterbewusstsein allemal wissen, wie nahe der Tod sein kann, hat das viele Menschen nicht etwa weise gemacht, sondern im Gegenteil: sie haben eine grandiose Palette von Verdrängungen entwickelt. Wir drehen uns immer schneller im Alltag mit iPod und anderem „Spielzeug“ und müssen dann lesen, dass das Leben nicht etwa gehaltvoller geworden ist, sondern dass der angeblich moderne Mensch immer häufiger Tabletten zur Bewältigung seines Alltags braucht oder wie im Augenblick Magazine berichten, die Zahl der Menschen mit einem Burnout- einem inneren Ausgebranntsein rapide steigt.

Christen  sehen eine Alternative zu dieser angeblich modernen Lebensweise. Sie wissen, dass Leben nicht die Summe der Stunden und Jahre ist, sondern dass Leben vor allem Qualität und nicht nur Quantität werden kann. Die Qualität des Lebens  verdanken sie Gott, keinem iPod-Gott, sondern Gott. Dieses Streben nach Lebensqualität lässt das Leben gelassener werden, wehrt der Versuchung, sich gegen alles ver-sichern zu wollen, macht die Jagd, alles haben zu müssen, überflüssig.

Dort, wo die Flamme der Liebe zu  Gott im Inneren des Menschen wohnt, dort brennt der Mensch nicht aus. Burnout ist die Folge, wenn der Mensch die in uns angelegte Suche nach der Qualität des Lebens opfert zugunsten der äußeren Quantität und sich dann noch für modern hält.


Rainer Korten
Pfarrer in Antalya