Be-denkens-wert vom 01.12.2011

Ich war in der vergangenen Woche  froh, nach 4 Tagen Deutschland wieder im Flugzeug nach Antalya zu sitzen. Denn noch vor dem 1. Advent erlebte ich in allen besuchten Städten ein Bombardement von Weihnachtsmusik, maßloser künstlicher Beleuchtung, lauten Weihnachtmärkten und einer wenig bis gar nicht vorhandenen besinnlichen oder  anheimelnden Stimmung. Be-sinn-lich ist  nichts mehr, weil der Sinn  längst dem Geschäft weichen musste. Und dabei hat die Adventszeit einen tiefen Sinn; den neu zu erleben, würde die Gesellschaft in vielen Bereichen gesünder machen. Denn dann würde das Dauergerede von Krise und  Oberkrise etwas leiser werden, da Menschen wieder auf ein realistisches Lebensfundament zurückfinden, indem sie nicht ständig unter Ängsten den kleinen Hoffnungen des Alltages hinterherlaufen müssen und immer wieder enttäuscht werden, sondern ihr Lebenshaus auf eine feste Grundhoffnung bauen können.

Von dieser Grundhoffnung sprechen in der Adventszeit die biblischen Texte und  künden die Adventslieder. Denn diese Grundhoffnung kann  nie durch Etwas erfüllt werden -das ist unausrottbarer  Aberglaube- sondern nur durch Jemanden. Den kleinen Hoffnungen ständig hinterher zuhetzen , ohne die eine große Hoffnung zu kennen, macht müde und seelisch kaputt.

Die große Hoffnung ist seit Weihnachten bekannt. Gott selbst kam zu uns, damit wir in unserer Hoffnung auf  Leben einmal zu ihm kommen können. Menschen sagen: die Hoffnung stirbt zuletzt. Das ist falsch: für den Christen stirbt die Hoffnung nie. Dieser Grundhoffnung Nahrung zu geben, ist die Adventszeit die klassische, altbewährte Zeit.


Rainer Korten
Pfarrer in Antalya