Be-denkens-wert vom 20.02.2012

Ich schreibe diese Zeilen am Rosenmontag, zwei Tage vor dem Aschermittwoch, an dem angeblich alles vorbei sein soll. Aber da beginnen erst 6 Wochen, die wesentlich zu unserem Wohlbefinden beitragen können.

Im Altertum gab es 7 Weltwunder. Soweit ich weiß, sind davon nur die ägyptischen Pyramiden übrig geblieben. Aber es gibt auch moderne Weltwunder ,und man hat einen Wettbewerb unter Journalisten veranstaltet. Die 7 Wunder von heute sollten benannt werden: Ereignisse und Erfindungen, die unser Leben maßgeblich bestimmen. Unter den Vorschlägen waren z.B. die Raumfahrt, der Computer, die Organverpflanzungen und auch die Wuppertaler Schwebebahn. Eine Hamburgerin bezeichnete es als ein Wunder, dass überall auf der Erde Menschen noch lachen können. Das ist in der Tat ein Wunder bei all den schlechten Nachrichten, die allabendlich ausführlich im Fernsehen breitgetreten werden.

Ein englischer Schriftsteller hat einmal eine Liste unserer Sorgen aufgestellt. Platz 1 haben mit 40 % Sorgen um Ereignisse, die überhaupt nicht eintreffen, oder Dinge, die ihren Schrecken verlieren, wenn man sie aus der Nähe betrachtet. Was oftmals als Riese erscheint, ist in Wirklichkeit nur der Schatten eines Zwerges.

An 2. Stelle der Liste stehen mit 30 % Sorgen um längst vergangene Ereignisse. Man kann nichts mehr daran ändern, vorbei ist vorbei. Ab und an in den Rückspiegel zu schauen ist wichtig für eine sichere Fahrt, aber vor allen Dingen müssen wir die Wegstrecke im Auge haben, die vor uns liegt. Mit 12 % sind vertreten: grundlose Sorgen um unsere Gesundheit. Solche Sorgen bewirken oft das Gegenteil: wer sich dauern selbst beobachtet, wird schließlich krank.

Nun sind noch 18 % zu verteilen, 10 % davon sind Sorgen von geringerer Bedeutung, und nur 8 % sind wirklich berechtigte Sorgen. Fest steht: nicht die 8 % bedrücken uns am meisten, sondern jene 80 % unberechtigter Sorgen.

Woran mag das liegen? Weil viele von uns das Grundvertrauen in das Leben verloren haben, und das ist wiederum die Folge, wenn Menschen zuvor das Grundvertrauen zu Gott verloren haben. Dann beginnen sie nämlich dem Wahn hinterher zu jagen, für und gegen alles sich versichern zu wollen und laufen mit einer Lupe durch´s Leben, die alle Realität vergrößert.

Es ist kein Widerspruch, am Rosenmontag einen Artikel zum Beginn der Fastenzeit zu schreiben. Lebensfreude, nicht Lebensspäßchen, sind das Ergebnis eines tiefen Vertrauens in das Leben, dessen Quelle das Vertrauen zu Gott ist. Und genau das heißt Fasten-zeit: Fasten seat belt- sich anschnallen, heißt es im Flugzeug, sich an Gott wieder „anschnallen“ festmachen, heißt es für Christen in der Fastenzeit, damit uns nicht die unberechtigten Sorgen die Lebensfreude nehmen.

 

Rainer Korten
Kath. Pfarrer in Antalya