Be-denkens-wert vom 24.04.2012

Man sieht sie noch, die meist älteren Herren in Antalya, die  trotz  aller Hektik einer modernen Großstadt, geruhsam durch die Straßen  gehen und durch ihre Hand eine Perlenkette laufen lassen. Diese Kette erinnert sie an die 99  verschiedenen erhabenen Namen Allahs. Die kath. Christen kennen mit dem Rosenkranzgebet etwas ähnliches: die einzelnen Perlen lassen durch ihre mehrfache Wiederholung etwas von den göttlichen Taten an uns Menschen meditierend erfassen: z.B: der gekreuzigt wurde, der von den Toten auferstand, der wiederkommen wird …… Dahinter steht immer die Sehnsucht: Unfassbares fassbar zu machen.

Auch wir kennen zahlreiche  Namen für Gott: der Allmächtige, der Ewige, der Erbarmer ……. Die schönsten Namen für Gott oder Christus höre ich aber in der Osterzeit. Im Alten Testament:  Gott der Liebhaber des Lebens und in der Apostelgeschichte: Christus , der Urheber des Lebens!

Gott als Urheber des Lebens hat einen wunderbaren Klang. Was wäre unser Leben, wenn Gott nicht sein Urheber wäre? Höchstens eine Zusammensetzung aus Knochen und Fleisch, materiell wenig wert, vergehend, ohne Ziel und Sinn, ohne Zukunft und Erwartung, Leben als Kampf gegen die  Zeit. Wenn Gott Urheber des Lebens ist, bekommt dieses eine andere Qualität, wenn er Urheber ist, wird er auch Vollender sein, und somit kommt in das Leben eine  ganz andere Kraftquelle, die nicht nur aus dem Heute schöpft, sondern  aus der frohen Erwartung und Hoffnung des Kommenden. Fehlt diese Kraftquelle würden wir von Erschöpfung  zu Erschöpfung  stolpern, das frohe Vorausblicken, die hoffnungsvolle Erwartung erst  gibt dem  Leben Flügel.

Viele seelische Störungen haben ihre Ursache, wenn Menschen nicht mehr Urheber und Vollender des Lebens kennen. Sie ähneln dann jenem Betrunkenen- und unsere Zeit macht heute viele (be)trunken - auch ohne Alkohol, der nachts den Weg nach Hause sucht und sich an einer Litfaßsäule  festhalten will. In seinem betrunkenen Zustand merkt er nicht, dass er im Kreis läuft und kein Stück weiterkommt bis er er-schöpft zusammenbricht.

Im Leben weiterzukommen- auf ein Ziel hin, wird dem leichter fallen, der Gott als Urheber und Vollender des Lebens kennt. Das ist eine weitere, wunderschöne  Variante der Osterbotschaft.

Rainer Korten
Kat. Pfarrer in Antalya