Be-denkens-wert vom 05.12.2012

Wie kann man heute noch öffentlich Aufmerksamkeit erzeugen? Durch Gigantisches, durch Perverses oder auch durch Dümmliches. Zu diesem letzten zähle ich auch jene Werbung, die da lautet: dem neuen Nescafe gehört die Zukunft. Mein Gott, wäre das eine ärmliche und jämmerliche Zukunft, wenn sie von neuem Nescafe abhinge.

Christen rund um den Erdball feiern in diesen Tagen eine ganz andere Zukunft. Intuitiv richtig erkannt haben das unsere Vorfahren, als sie begannen, ihre Zeit nach dem Ereignis der Geburt Jesu als dem Beginn etwas wirklich Neuem zu zählen. So schreibt heute der größte Teil der Menschheit das Jahr 2012
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Gott selbst trat in Jesus Christus in unser Menschsein ein, damit der Mensch als Mensch eine Zukunft hat. Er hat nämlich auch die Möglichkeit, sich immer mehr zu ent-menschlichen in Form von Gewalt, angefangen an den noch nicht Geborenen, über die vielen Formen von Gewalt im gesellschaftlichen Alltag, über Kriege bis hin zur Entmenschlichung, dass man Demenzkranke aus Kostengründen in billige Länder außerhalb Deutschlands verschleppt oder Tote aus Kostengründen nach Polen zur Verbrennung karrt.

Wir reden viel von Menschlichkeit, von Menschenrechten, belehren gern die Anderen  und merken gar nicht mehr, welche neuen Unmenschlichkeiten wir uns genehmigen. Die alte Erfahrung der Menschheit bewahrheitet sich einmal mehr: zuerst wird Gott abgeschoben, und als Folge dessen wird dann der Mensch abgeschoben.

Christen feiern Weihnachten und lassen sich das auch nicht von allem dekadenten Konsum vermiesen, dass die Menschlichkeit eine Zukunft hat, weil Gott in Jesus Christus als Mensch zu uns Menschen kam. Es gibt ja Gottlob auch  Menschen, meistens machen sie kein Aufsehen, die an Jesus Christus Maß nehmen und so Kraft finden, sich  im Dienst am Anderen zu verwirklichen, trotz: jeder ist sich selbst der Nächste,  zur Versöhnung stets bereit zu sein, trotz: wie du mir, so ich dir, die Fähigkeit zur Geduld  einzusetzen, trotz: jetzt reicht es mir aber, das Vertrauen als Vorschuss zu gewähren trotz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, den Glauben vorzuleben, trotz: ich glaube nur an das, was ich sehe, wach an die Zukunft zu glauben, trotz Krise hier, Krise dort.

Vor mehr als 2000 Jahren kam die personifizierte Menschlichkeit in Jesus Christus auf unsere Erde, damit wir den Versuch und die Mühe nie aufgeben, Mensch zu werden wie Er, denn allein  darin liegt unsere Zukunft, auch wenn unser Menschsein auf Erden zu Ende geht.

Eine segensreiche Vorbereitung auf Weihnachten im Advent und eine frohmachendes Fest wünscht allen Leserinnen und Lesern:

Prälat Rainer Korten
Pfarrer i.R. in Antalya